Mittwoch, 18. August 2010

A wie Atomkraft, A wie Autokratie


Gerhard Schröder hat sicherlich nicht alles richtig gemacht, in einer Frage kann man ihm allerdings uneingeschränkt dankbar sein: Unter seiner Regierung wurde das Ende der Atomkraft in Deutschland eingeleitet; mögen sich auch die Energiebosse noch so verzweifelt winden.

Der aktuelle Versuch, Kanzlerin Angela Merkel mit billigen Drohungen einzuschüchtern, zeigt, warum dieser Schritt der Rot-Grünen Regierung nicht nur aus ökologischen Gründen richtig war. Wie selbstverständlich nahmen die großen Energiemultis über die nur von ihnen steuerbaren Großtechnologien Einfluss auf die Gesellschaft. Wer Energie brauchte, vom einfachen Bürger bis zum Unternehmen, war seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts auf den guten Willen eines kleinen Energiekartells angewiesen. Ganz gleich, ob sich zwei, fünf oder fünfzig Anbieter um den Markt stritten, das letzte Wort hatten die, die über Kraftwerke, Pipelines und Raffinerien verfügten.

Mit der Aussicht auf gute Geschäfte wurden sicherlich zahlreiche Regierungen weltweit geschmiert, unter Druck gesetzt oder sogar gestürzt. Bis heute leiden vor allem die ärmeren Länder unter den katastrophalen Erblasten des globalen Energieraubbaus.

Nun zwingen die erneuerbaren Energien die Multis in die Defensive. Wind und Sonne stellen seit beinahe einem Jahrhundert erstmals die autokratischen Formen der Energiekontrolle in Frage. Was um Himmels Willen sollen den EON, Exxon oder BP machen, wenn bald jeder Durchschnittsdeutsche, ja hoffentlich bald jeder Durchschnittsinder oder -chinese, die Energie für den eigenen Bedarf gewinnen kann. Wie sollen hohe Profite erwirtschaftet werden, wenn sich die Regierungen rund um den Globus nicht mehr für Interventionen zugunsten von Energieressourcen gewinnen lassen?

Der Kampf um das Öl neigt sich dem Ende zu, das wissen auch die Energietopmanger, die sich mehr und mehr versuchen ein grünes Image zu geben. Allein die Kernkraft scheint ein letztes Terrain zu sein, auf dem die Macht der Großtechnologie noch in politische Macht umsetzbar ist. Deswegen kämpfen die Konzerne mit so ungekannt harten Bandagen. Getroffene Hunde bellen...

Foto: Wikipedia, Denis Apel.

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